Ich wurde am 5. Juni 1981 als fünftes von sechs Kindern in Indien im Dorf Padatadika geboren. Mein Dorf liegt in der Nähe des Meeres in Südindien. Ich stamme aus armen Verhältnissen, meine Eltern waren Tagelöhner im Dorf. Meine Familie musste täglich um das Überleben kämpfen. Mein Vater ist schon vor 20 Jahren gestorben. Ich habe fünf Geschwister, drei Brüder und zwei Schwestern. Alle meine Geschwister können nicht lesen und schreiben, nur ich hatte Glück und durfte eine Ausbildung machen. Ich wollte schon immer gerne lernen, deshalb bin ich sehr dankbar dafür.

Zu meiner Ausbildung: In meinem Dorf gab es damals eine kleine Grundschule. Zu dieser Zeit ist ein Priester aus Kerala in mein Dorf gekommen und begann, in diesem Dorf eine kleine Kirche zu bauen. Er nahm mich mit, mit sechs Jahren kam ich ins Internat und bin dort auch in die Schule gegangen. Nach der siebten Klasse kam ich ins Knaben-Priesterseminar der Region. Sieben Jahre lang studierte ich Philosophie und Theologie an der Uni in Pune in Indien. Nach dieser Ausbildung wurde ich am 16. November 2008 zum Priester geweiht und habe zwei Jahre lang in Indien als Pfarrvikar gearbeitet. Im Oktober 2012 kam ich nach Innsbruck in Tirol. Einige Monate habe ich Deutsch gelernt und nach der Deutschprüfung habe ich an der theologischen Fakultät in Innsbruck das Doktorat begonnen. Ich studierte Bibelwissenschaft mit dem Schwerpunkt Neues Testament. Ich lebte im internationalen theologischen Kolleg Canisianum und die Diözese Innsbruck unterstützte mich finanziell. Als Gegenleistung dafür wurde ich als ständiger Aushilfspriester eingesetzt. Meine erste Einsatzorte waren für ein Jahr Ehrwald und Biberwier im Tiroler Außerfern. Dann arbeitete ich drei Jahre in den Pfarren Wilten und Wilten West in Innsbruck und danach weitere drei Jahre in Fritzens, Volders und Wattens im Tiroler Unterland als Aushilfspriester. Im Juni 2020 konnte ich mein Doktorat an der Uni in Innsbruck erfolgreich abschließen. Anschließend wurde ich für ein Jahr als Kooperator im Seelsorgeraum Reutte eingesetzt.
Dort fühlte ich mich sehr einsam und wünschte mir, in der Nähe meiner Freunde in Deutschland zu sein. In Innsbruck arbeitete ich von 2014 bis 2016 mit Dr. Florian Schomers, dem jetzigen Stadtpfarrer von Trostberg zusammen, mit dem mich seither eine Freundschaft verbindet. Ich kontaktierte ihn und er unterstützte mich, nach Deutschland in das Erzbistum München und Freising zu wechseln. Seit 2015, als meine Gemeinschaft, der ich angehörte, aufgelöst wurde, war ich in die Diözese Innsbruck inkardiniert. Der damalige Bischof von Innsbruck, Manfred Scheuer, und der damalige Generalvikar Jakob Bürgler haben mich in die Diözese aufgenommen. Der derzeitige Bischof von Innsbruck, Hermann Glettler, und Generalvikar Roland Buemberger haben mir erlaubt, nach München zu wechseln. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar.
Meinen ersten Einsatz in Deutschland hatte ich für vier Monate in der Pfarrei Trostberg, ich durfte dort eine Einführungsphase bei Pfarrer Dr. Florian Schomers als Seelsorgemithilfe absolvieren. Es war eine gute Zeit und ich fühlte mich wohl im Pfarrverband Trostberg. Nach dieser Einführungszeit führte mich der Weg hierher als Kaplan in die Pfarrverbände Puchheim- Eichenau und Alling. Ich freue mich, dass ich hier sein darf und habe mich auch schon ein bisschen eingelebt. Die Menschen in jeder Pfarre haben mich mit offenen Herzen und Armen aufgenommen. Sie sind sehr freundlich zu mir und daher fühle ich mich auch sehr wohl hier. Diese herzliche Aufnahme hat mich sehr berührt und gefreut. Dafür danke ich Ihnen allen von ganzem Herzen. Sehr herzlich möchte ich mich beim Dekan und Pfarrer Martin Bickl und Kirchenverwalter Herrn Dieter Rubenbauer für Ihre freundliche Begleitung und Hilfe bedanken. Ebenso bedanke ich mich bei allen Mitarbeiter/Innen in den vier Pfarren für die Unterstützung und das Verständnis. Es ist sehr fein, mit Ihnen allen zusammen zu arbeiten.
In der kurzen Zeit hier hatte ich schon viele schöne und freundliche Begegnungen und Gespräche. Gerne will ich die Menschen dann auch besuchen und näher kennen lernen, aber momentan ist es leider schwierig. Wenn sich wieder (hoffentlich bald) alles normalisiert, freue ich mich sehr auf das Zusammensein mit den Menschen hier. Aber schon jetzt bin ich für sie da, wenn sie ein geistliches Gespräch wünschen oder ihre Herzen belastet sind. Gerne höre ich ihnen zu und versuche sie zu trösten. Der Schutz und Zuflucht gewährende Gott segne und behüte sie.

Dr. Joseph Vijay Kumar Nanduri